Jena, kreisfreie Stadt im Saaletal (Thüringen)
Jena, Geschichte von Jena - Collegium Jenense, Salana


Friedrich-Schiller-Universität Jena - ehemals Collegium Jenense oder Salana

Collegium Jenense Die Universität Jena verdankt ihre Entstehung politischer Zwistigkeiten und Machtansprüchen des Fürstentums in einem Deutschland des 16. Jahrhunderts. Johann Friedrich I. (1503 - 1554) - der sächsisch-ernestinische Kurfürst - galt als Reichsrebell, hatte er doch im Mächtespiel gegen den Kaiser zu hoch gespielt und verloren. Militärisch wurde er in der Schlacht auf der Lochauer Heide nahe Mühlberg an der Elbe geschlagen. Er verlor die Kurwürde und die Kurlande, mußte auf die bisherige Landesuniversität in Wittenberg - den Mittelpunkt der lutherischen Reformation - verzichten und kam zu alledem noch in Gefangenschaft. Um den stark verkleinerten und geschwächten Thüringen eine neue Ausbildungsstätte für Beamte und evangelisch-lutherische Pfarrer zur Verfügung zu haben, gründete man nach Kriegsende in Jena eine Schule. Sie wurde am 19. März 1548 in den leerstehenden Räumen des Dominkanerklosters St. Pauli eröffnet. Der Lehrkörper bestand aus nur zwei Professoren - ehemaligen Schülern von Melanchthon - dem aus der Nähe Gothas stammenden Rhetoriker und Poeten Johannes Stigel (1515 - 1562) und aus dem als Arztsohn geborenen aus Kaufbeuren stammenden Philosophen und Theologen Victorin Strigel (1524 - 1569).

Die verkehrsgünstige Lage zur neuen Hauptresidenz der Ernestiner war wichtiger Aspekt für die Gründung eines akademischen Gymnasiums in Jena wie auch die leerstehenden Räume des Klosters als auch das das Saalestädtchen bereits zweimal - 1527 und 1535 - als Ausweichquartier vor der Pest der Universität Wittenberg gedient hatte.

Die Schule war noch keine Universität - dies geschah erst 10 Jahre später. Die katholische kaiserliche Majestät zeigte wenig Interesse seinem bis 1552 in Gefangenschaft gehaltenem Feind - dem einstigen Herzog - der Gründung einer evangelischen Hochschule zuzustimmen. Dazu waren langwierige Verhandlungen notwendig bis Jenas «Akademisches Gymnasium» zu einer Universität aufsteigen konnte.

Die Stiftungsurkunde, die in der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek* aufbewahrt wird, trägt das Datum vom 15. August 1557. Ferdinand - der Bruder und Nachfolger von Karl V. - garantiert auf einem mit kaiserlichem Siegel bestätigten Pergament für die Universität den Schutz des Reiches zu übernehmen. Damit erhielt sie das Recht als Studium generale in vier Fakultäten - Theologie, Jurisprudenz, Medizin und Philosophie bzw. philosophisch-naturwissenschaftlichen Fächern - zu lehren. Als neue Universität durfte sie die akademischen Grade des Baccalaureus, Magisters, Lizentiaten oder Doktors verleihen. Herzog Johann Friedrich II. unterzeichnete als Nachfolger seines vor vier Jahren verstorbenen Vaters im Januar des Jahres 1558 die Universitätsstatuten, die zum strengen Gehorsam gegenüber dem Landesherren verpflichteten. Nach der Signierung des Herzogs konnte am 2. Februar 1558 die Universität eine feierliche Zeremonie stattfinden lassen. Der erste Rektor war der Mediziner Johann Schröter (1515 - 1593), der ehemalige Leibarzt Ferdinands. Mit neunmaliger Wiederwahl zum Rektor wurde Johann Schröter, die bedeutendste Persönlichkeit in den Gründungsjahren der Universität.

Es gibt keine im Bild festgehaltene, zeitgenössige Darstellung der Gründungszeremonie der Salana - dem Collegium Jenense.

Wenn man die Salana als Ganzes anschaut, war sie wissenschaftsgeschichtlich gesehen im ersten halben Jahrhundert nur Mittelmaß. Es ragten zwar einzelne Persönlichkeiten wie beispielsweise der berühmte niederländische Humanist Justus Lipsius, der von 1572 bis 1574 in Jena wirkte, und der Mathematiker Michael Stifel (1486 - 1567) durch besondere Leistungen heraus, aber es waren nur Andeutungen der Universität ins Fortschrittliche.

Der Dreißigjährige Krieg brachte die Stadt und Universität nahe an den Zusammenbruch. Das grauenvollste Jahr, so berichten Chroniken, war das Jahr 1637. Die schwedischen Truppen, die aus Thüringen abziehen mußten, sprengten das 1480 erbaute technische Wunderwerk - die steinerne Brücke über die Saale. Für die nachrückenden kaiserlichen Truppen war Jena eine willkommene Beute. Bei dieser Plünderung, die das Jahr 1547 bei Weitem übertraf, wurden die Kirchen und das Rathaus ausgeraubt, das Stadtarchiv zerstört, die Universität trotz kaiserlichen Stiftungsprivilegs nicht verschont, ebenso wenig die Professoren und die Frauen geschändet. Im August des Jahres 1650 - zwei Jahre nach Kriegsende - war das Martyrium dieser grauenvollen Zeit vorbei, die Kirchenglocken läteten den Frieden ein.

Bereits in den Kriegsjahren weiter in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts bis in die ersten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts erlebte die Jenaer Universität ihre erste Blütezeit, die nicht auf den materiellen Reichtum des ausgeplünderten Landes aufbaute, sondern auf die Macht des Geistes, die sogenannte bürgerliche Ideologie in Gestalt der Frühaufklärung, die sich Zutritt in die Hörsäle verschaffte. Die Universität besann sich erstmals auf ihre eigene Kraft und unternahm den Versuch das mittelalterliche Erbe, welches auf Glauben und Autoritäten sowie bloße Schriftgelehrsamkeit beruhte, abzustreifen und die Studenten zu selbstständig denkenden, kritisch abwägenden Persönlichkeiten zu formen. Damit erhielt Jena den Ruf das wichtigste Zentrum neuer deutscher Ideen und Wissenschaftsmethoden zu sein. Erstmals in der Geschichte der Salana verdrängten die Naturwissenschaften wie Botanik, Chemie, Astronomie, Mathematik und Anatomie die Theologie.

Das 17. Jahrhundert ist für die Universität am dramatischsten hinsichtlich des Kampfes zwischen Altem und Neuem oder zwischen Vorurteilen, Unwissenschaftlichkeit, Abenglaube und Fortschritt. Gekennzeichnet durch die Enge innerhalb der Klostermauern, in der sich die Salana befindet, und der Collegienkirche auf der einen Seite und Einrichtungen, die einen Schritt in die Zukunft markierten, erhielt die Salana das Theatrum anatomicum und die ersten Botanischen Gärten (1631, 1641).

Die Plattform des Eingangsgebäudes des Collegium Jenense diente der astronomischen Beobachtung. Später entstand an dieser Stelle ein Observatoriumsturm mit einer barocken Haube, der mit seinem Dachfirst die Collegienkirche überragte, was versinnlicht den Vorstoß des menschlichen Geistes ins Weltall - der Geist des Forschens und Beobachtens - und die Stätten des Mittelalters hinter sich zu lassen.

...

----- In vier Jahrhunderten haben rund 200.000 Studenten an der Jenaer Universität studiert. Es gab dabei eine Fülle von Schicksalen von guter und weniger guter Art, Bildungserlebnissen, Wissensdrang, geistige Anregungen und Ausstrahlungen, Jahre des Studiums und zum Lebensgewinn, wissenschaftliche, aber auch menschliche Bindungen, Freundschaft und manche fandnen Liebe, die bis ins Alter Bestand hatte.

----- Das Jahrzehnt nach der Niederschlagung der bürgerlich-demokratischen Revolution 1848/49, in der das vierte Jahrhundert der Jenaer Universität begann, wurde politisch kein großes Jahrhundert der Universitätsgeschichte.

Gemälde des Schweizer Malers Ferdinand Hodler «Auszug der Jenenser Studenten in den Freiheitskrieg von 1813» Derzeitig hat die Friedrich-Schiller-Universität 10 Fakultäten:
- Theologische Fakultät
- Rechtswissenschaftliche Fakultät
- Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
- Philosophische Fakultät
- Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften
- Fakultät für Mathematik und Informatik
- Physikalisch-Astronomische Fakultät
- Chemisch-Geowissenschaftliche Fakultät
- Biologisch-Pharmazeutische Fakultät
- Medizinische Fakultät.

- Im Jahr 2008 studieren an der Friedrich Schiller Universität in Jena 19.000 Studenten.

* = hier Kurzform = richtiger: ThULB = Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

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Einige Erläuterungen
Pfeil Das Uni-Hauptgebäude entstand nach einem Entwurf des Münchner Architekten Theodor Fischer (* 28. Mai 1862 in Schweinfurt; † 25. Dezember 1938 in München) zwischen 1905 und 1908. Siehe Neue Fotos.

Pfeil Ein Gemälde des Schweizer Malers Ferdinand Hodler (* 14. März 1853 in Bern; † 19. Mai 1918 in Genf) befindet sich in der Aula, welches den «Auszug der Jenenser Studenten in den Freiheitskrieg von 1813» zeigt. Ein Bild - siehe Mitte dieser Seite.

Pfeil Das Burschenschaftsdenkmal vom deutschen Bildhauer Adolf von Donndorf (* 16. Februar 1835 in Weimar; † 20. Dezember 1916 in Stuttgart), dass 1883 entstand, steht im Vorgarten des Uni-Hauptgebäudes. Siehe Neue Fotos.

Pfeil Die Universität trägt seit 1934 den Namen von Friedrich Schiller, dessen Denkmal 1973 aufgestellt wurde.

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