Jena, kreisfreie Stadt im Saaletal (Thüringen)
Jena - die Teufelslöcher, Karst-Höhlen


Jena - die Teufelslöcher, Karst-Höhlen im Saaletal in Thüringen

Die Teufelslöcher werden erstmalig 1319 urkundlich erwähnt und zählen damit zu den ältesten nachgewiesenen Höhlen Deutschlands. Noch älter ist der Volkmarskeller in Blankenburg - eine Höhle, die am 5.12.956 erstmals urkundlich datiert ist.

Nicht nur die Bezeichung «Teufelslöcher» war in Gebrauch, sondern sie wurden auch als Teufelsfenster, Teufilsloch, Tüffelsloche, Tufelsloche, Topffelsloch tituliert. Das Wort «Teufelslöcher» ist seit mehr als 6 Jahrhunderte gebräuchlich.

Zu finden sind sie im Stadtbereich von Jena am Sockel des Nordwesthanges der Kernberge, genauer zwischen dem Jenertal und Wöllnitz - entlang der Wöllnitzer Straße.

Die Teufelslöcher bestehen aus zwei voneinandergetrennten Eingängen. Unmittelbar nach dem Betreten der ersten, rechten Höhle steht man in einem 6 mal 6 Meter großen ausgemauerten Vorraum, der bis zum Ausbau zum Luftschutzraum in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts als Wirtschaftskeller diente. Bei diesen Baumaßnahmen wurde der einsturzgefährdete Felsendom am Eingang abgesprengt und durch eine aus Naturstein gefertigte Mauer gestützt. Auf der rechten Seite befindet sich im oberen Bereich eine natürliche Öffnung, an der ein Ausstiegsfenster angebracht ist. Links davon liegt der gemauerte Zugang zur zweiten Höhle, in deren Mitte teilweise betonummantelte Stützpfeiler angebracht wurden. Je nach Witterung sammelt sich am Eingang der zweiten Höhle das Wasser.

Viel interessanter als die rechten beiden Höhlen sind das Gangsystem mit Höhle auf der linken Seite der Teufelslöcher. Bis zum 18. Juni des Jahres 1921 konnte man nach dem Betreten des linken Ganges ungefähr 25 Meter aufrechtgehend in die Karsthöhle vordringen. Danach verengte sich der Höhlengang so stark, dass man nur noch kriechend weiterkam. Etwa 40 Meter vom Höhleneingang entfernt, erblickte man durch einen Spalt eine Höhle mit einem 2 mal 4 Meter großen See. Bei Erschließungsmaßnahmen wurde nach Sprengungen eine elektrische Lichtanlage installiert, der See freigelegt und der anschließende Gang begehbar gemacht. In Kniehöhe wurde ein verdeckter 10 Meter langer waagerecht verlaufender Spalt freigelegt, der 2,5 Meter horizontal tief ist. Etwa 25 cm unterhalb der Decke im entdeckten Spalt haben sich Ablagerungen und Gebilde entwickelt wie sie am Grund des Teiches zu finden sind, dessen Gebilde aus dauernd erneuernden Kalkschichten besteht, die sich auf dem Wasser bilden und mit zunehmender Schwere in kleineren und größeren Flächen auf den Grund absinken.

Hinter dieser Höhle wurde der Gang, den man erstmals nur 20 Meter weit gefolgt war, bis auf 65 Meter Läge erschlossen. Heute noch sieht der linke Höhlengang mit Höhle im wesentlichen noch so aus wie man ihn bei den Erschließungsarbeiten freilegte.

In Nord-Süd-Richtung - auf dem gleichen Höhenniveau wie die Wöllnitzer Straße - sind verschiedene felsbildende Gesteinsschichten des Bundsandsteines aufgeschlossen. Dieser rotbraune Sandstein - Thüringer Bausandstein genannt - erstreckt sich auf einer Länge von etwa einem Kilometer vom Petersen-Platz bis zum Sportforum. Auf der Höhe des Jenertales sieht man einen grau-weißen, mürben sogenannten Stubensandstein - auch als Chirotheriensandstein bezeichnet, benannt nach der Fährte eines Sauriers. Ihm folgt der Obere Buntsandstein - auch Röt genannt, der fossilfreie Gipse in der Basis aufweist.
Das Aufschlußgebiet der Teufelslöcher gehört regionalgeologisch gesehen zum östlichen Teil des Thüringer Beckens, welches sich zwischen Harz, Thüringer Wald und Thüringischem Schiefergebirge in einer ovalen Einsenkung erstreckt. Bei den Teufelslöchern sind genau die Grenzschichten zwischen Oberen und Mittleren Buntsandstein zu erkennen.

In kleinen Becken verdunstete zu Beginn des Oberen Bundsandstein - auch Röt genannt - das Wasser, welche nur durch Zufluß des Meeres ergänzt wurde. Steinsalz und Sulfate wurden ausgeschieden, deren Sedimentationszyklus mehrfach durch Toneinschwemmungen pausierten mußte. Die diagenetisch verfestigten Ablagerungen in den Teufelslöchern bestehen aus Gips- und Tongestein. Besonders auffällig ist der sekundär gebildete Gipsspat (Gipsporphyr) und die Fasergipsstrukturen. Gefundene Minerale sind Bittersalz, Gagat - ein schwarzes undurchsichtiges Erdharz, Gipstropfstein, Kalktuff, Strontiumerde und verschiedene Gipsarten. In den Gipsen sind mikroskopisch kleine Quarze, die teilweise Flüssigkeitseinschlüsse aufweisen, nachgewiesen worden. Die Einschlüsse bestehen aus den Mineralen Albit, Coelestin, Dolomit, Grossular und Rutil.

Aus tieferen Teilen und aus dem See der Teufelslöcher konnten Gips mit Laugspuren, Kalksinter, Chirotheriensandstein und Tropfsteine geborgen werden. An der Grenze zwischen dem Chirotheriensandstein und der Tonsteinlage sind Steinsalzpseudomorphosen entdeckt worden.

Die Quelle der Teufeslöcher ist trotz langanhaltender Trockenperioden und geringen Niederschlagsmengen nicht versiegt, so beispielsweise im Jahre 1959 mit 299 l/m2 und 1982 mit 279 l/m2.

Bergbauliche Aktivitäten im Bereich der Teufelslöcher sind aus Aufzeichnungen von 1802 bekannt. Johann Wolfgang von Goethe wollte sogar die Teufelslöcher für einen bestimmten Besucherkreis begehbar machen.

Für das Weimarer Schloß sind an den Felsen der Teufelslöcher und am Hausberg Brüche zum Abbau des Alabasters geöffnet worden. In durchsichtige Platten geschnitten und auf farbigen Untergrund gelegt, wirkte das Gipsgestein marmorartig. Der körnige Gips - auch als «Jenaer Marmor»: bezeichnet - wurde für die Innenausstattung reicher Bürgerhäuser verwendet. Er diente aber auch als Verkleidung des Treppenhauses im Jenaer Schloß. Heute können wir den «Jenaer Marmor»: noch in der Wandverkleidung der Vorhalle des Universitätshauptgebäudes bewundern.

In den Teufelslöchern haben sich verschiedene Tierarten angesiedelt. Die wohl interessantesten sind die Fledermäuse und einige Schmetterlinge. Siehe im Rubrik Fauna/Flora das Thema «Jena & Ambiente: Indigene Fauna - Heimische Tiere, Tierwelt

Die Teufelslöcher Einst - zu DDR-Zeiten - waren die Teufelslöcher noch ein geologisches Flächennaturdenkmal, heute werden sie als Geschützter Landschaftsbestandteil bezeichnet - für mich völliger Blödsinn.

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