Jena, kreisfreie Stadt im Saaletal (Thüringen)
Jena, Geschichte von Jena


Jena - Wasser-Mühlen an der Saale, Lache - ein Nebenarm & Leutra

Die Saale

Jena liegt im mittleren Saaletal am Zusammenfluss der Saale mit der Leutra. Bei der Rasenmühle berührt die Saale das sogenannte Weichbild der Stadt, welches bis nahe Löbstedt die östliche Grenze darstellt. Die sogenannte kleine Saale ist ein kleiner Abzweig bei der Rasenmühle, der sich aber bereits beim Einfluss der Leutra mit dem Hauptstrom vereinigt. Beim ehemaligen Eisenrechenwehr teilt sich die Saale aber erneut und bildet die Mühllache, die mehrere Mühlen antreibt, und ergießt sich erneut in die Saale. Das zwischen Hauptstrom der Saale und Mühllache entstandene, umflossene Land setzt sich zusammen aus Saalvorstadt, Landveste und der sogenannten Insel.

Die Mühllache

Die Saale mit ihrem Nebenarm - Die Mühllache Die Mühllache - die erstmals 1320 erwähnt wurde, bildete zwischen der Brücke nach Lobeda und der Camsdorfer Brücke vor dem früheren Eisrechenwehr einen ehemaligen linken Seitenarm der Saale. Sie floss hinter dem Schlachthof, der Tonnenmühle - dem heutigen Stadtarchiv - und dem ehemaligem Schloss bzw. dem heutigen Universitätshauptgebäudes entlang bis ca. 100 Meter vor dem Saalbahnhof bevor sie wieder in die Saale mündete, und somit eine Insel bildete. Das Stadtzentrum konnte man von Kamsdorf aus nur über die Camsdorfer Brücke und die Lachenbrücke auf dem Steinweg erreichen und Kamsdorf umgekehrt.

Die Mühllache trieb die Räder der Hartungschen Schneidemühle, der Walkmühle, der Brückenmühle - auch Saalmühle genannt - und der Tonnenmühle an. Für die Gerber diente sie zum Waschen und Gerben der Felle und Häute. Der ansässige Schlachthof verwendete die Mühllache als eine Art Abwasserkanal.
 

Gerbergasse und obere Mühllache

Die ehemalige Hartungsche Schneidemühle befand sich einst zwischen Saalbahnhofstraße und Lache. Als man die Lache 1938 zuschüttete, wurde das Mühlhaus mit dem sechs Meter breiten Mühlrad abgerissen. Zu DDR-Zeiten war an ihrer Stelle der VEB Kraftfahrzeuginstandsetzung ansässig.

Die Gerbergasse

Die Gerbergasse befand sich einst zwischen der Lachenbrücke am Steinweg und der heutigen Feuerwehr. Nur das Haus Gerbergasse Nummer 18 ist stehen geblieben. Auf den Dachböden der mehrstöckigen Häuser trocknete der Gerber die gegerbten Häute. Als «Klein-Vendig» bezeichnete man das Gebiet der Gerbergasse wegen der zahlreichen Lache-Abzweigungen zu den einzelnen Gerberhäusern. Die Mühllache war im Laufe ihrer Geschichte von verschiedenartigen Umweltverschmutzungen betroffen. Zum einen lag es an den Einleitungen der Gerber und anderer Gewerbe, zum anderen resultierte die Verschmutzung durch die Abwasserkanalisation der Stadt.

Am 10. Dezember 1937 entstand beim Jenaer Gemeindevorstand der Beschluss, die Mühllache trocken zu legen. Gründe dafür waren die schlechten Wasserverhältnissen der Lache und die nicht finanzierbaren Kosten für Verkehrsprojekte, um den Fortbestand des Baches zu sichern. Die Trockenlegung der Mühllache begann am 7. Februar 1938.

Die Häuser der Gerbergasse sowie der davorstehende Spielzeugpavillion sind heute verschwunden. Sie wurden 1987 abgerissen. Nach der Wende entstand um und auf dem Areal Gerbergasse/Spielpavillion das heute leerstehende Horten-Kaufhaus.

Mühlen an der Mühllache

Diese waren die Hartungsche Schneidemühle, die Walkmühle, die Brückenmühle und die Tonnenmühle.
Hartungsche Schneidemühle Siehe Gerbergasse und obere Mühllache. Das Mühlhaus mit dem 6 Meter breiten Mühlrad wurde mit der Zuschüttung der Lache abgerissen.
Walkmühle Der genaue Standort ist nicht bekannt.
Brücken-
mühle
auch Rathsmühle und Saalmühle genannt, stand an der Mühllache. Neu erbaut wurde sie 1674 von Nicolaus Zöllner. In Besitz waren auch bedeutende Ländereien, die dem Stadtrat gehörten. Der Brückenmühle stand gegenüber die Tonnenmühle. An der Stelle der Brückenmühle stehen heute Neubauten.
Tonnenmühle - wird auch als Fürstenmühle bezeichnet, ist ebenfalls 1674 neu errichtet worden und war wichtigste Mühle der Bäcker von Jena. Der Tonnenmühle stand gegenüber die Brückenmühle. In ihr ist heute das Stadtarchiv untergebracht.

Mühlen der Saale

An der Saale ansässige Mühlen waren die Rasenmühle und die Schneidemühle.
Rasenmühle Rasenmühle Die Rasenmühle befand sich einst am linken Arm der Saale - an der Lache - gegenüber des einstigen Gasthofes zum Rautenkranz, dem späteren Schützenhaus. Nahe lag die Wüstung Winzerle und das 1829 erbaute Schiffshaus, welches von Gartenanlagen umgeben war. Abgeordnete des Kurfürsten Ernst und Herzog Albrecht trafen sich 15. September 1466 auf der Rasenmüle, um wegen der strittigen Grenzen der Ämter Burgau und Leuchtenburg zu verhandeln. Die Rasenmühle wird 1537 Burgau zugesprochen, hingegen der Jenaer Stadtrat sie immer dem Weichbild der Stadt zugehörig sah. Im Bruderkrieg plünderte Herzog Wilhelm der Tapfere alle Dörfer und Mühlen des Amtes Burgau, verschonte aber stets die Rasenmühle. Professor Johann Schröter kaufte im Jahre 1554 die Rasenmühle und konnte drei Jahre später durchsetzen, dass auch die Bürger von Ammerbach wie schon lange die aus Burgau in der Müle ihr Mehl mahlen durften.

Bild nebenstehend: Rasenmühle. Rechterhand die ehemalige Kahlaische Straße bis 1871 mit dem Gasthof Rautenkranz, der unterhalb des Sandweges stand, wo man die Bahngleise verlegte. Als die Saalebahn gebaut wurde, mußte der Gasthof leider abgerissen werden.
Schneidemühle habe ich leider keine Infos

Hochwasser an der Saale und ihrer Nebenflüsse
1263 Am 23. Juni kommt es nach einem heftigen Gewitterregen zu einem schweren Saale-Hochwasser, indem 35 Menschen ertrinken.
1543 Ende August wird Jena von einem großen Hochwasser heimgesucht. Es werden schwere Schäden angerichtet.
1552 Am 11. Januar kommt es zu einer nicht erwarteten Schneeschmelze, welche ein mehr als 8 Tage währendes Hochwasser auslöst, das beträchtlichen Schaden an Brücken und Häusern verursacht.
1633 Am 15. Januar wird die Stadt durch plötzlich eingetretenes Tauwetter heimgesucht. Es kam zu Hochwasser, welches bis in der Schloßgasse stand.
1643 Am 31. August hat die Saale ein solches Hochwasser, dass man mit dem Boot von der Saalgasse zum Steinweg fahren kann.
1651 Zwischen dem 3. und 10. Januar tritt ein schweres Hochwasser ein, welches großen Schaden in Jena anrichtet.
1751 Ein Wolkenbruch verursacht im August an Saale und Leutra Hochwasser, das Wieder die tiefer gelegenen Stadtteile unter Wasser setzt.
1763 Im Dezember kommt es zu Tauwetters was zu Hochwasser führt. Tiefer gelegenen Stadtgebiete werden überschwemmt.
1776 Im Februar führt Saale und Leutra Hochwasser. Zwischen Camsdorfer Brücke und Schlossgasse ist alles überschwemmt.
1888 Im Frühjahr richten zwei aufeinanderfolgende Hochwasser schweren Schaden an.
1890 kommt es in der letzten Novemberwoche zu einem schweren Hochwasser. Die Vororte Wenigenjena und Camsdorf werden heimgesucht, dass 10 Häuser von den Wassermassen weggerissen werden und 19 Häuser einstürzen und viele Stadtbewohner ertrinken.
1909 Am 5. Februar kommt es erneut zu Hochwasser der Saale.
1909 Am 25. September führt die Leutra Hochwasser.
1918 Am 18. Januar kommt es zu einem schweren Hochwasser durch eine schnelle Schneeschmelze, die das kleine Paradies, Gerbergasse, Steinweg, Lutherplatz, Saalbahnhofstraße, Löbdergraben, Spitzweidenweg und weitere Straßenzüge der Innenstadt überschwemmt.
1962 Zwischen dem 3. und 4. April werden Teile der Saaleaue vom schweren Hochwasser überflutet.

Die Leutra

Die Leutra, im Volksmund auch Litter genannt, entspringt im Mühltal aus den drei Quellen dem zweifachen Nasenborne am Nasenberg, dem Leuter- und dem Rührborne. Auf ihrem Weg zur Saale treibt sie sämtliche Mühlen des Mühltales an. An der Ölmühle teilt sich die Leutra in zwei Arme. Der linke Arm durchfloß in Känalen die Stadt, trieb drei Mühlen an, reinigte einst zweimal in der Woche die Straßen und ergoß sich am Saaltor in die Mühllache. Die wilde Leutra - der rechte Arme, auch als alte Leutra bezeichnet, floß nach dem sie noch das Wasser des Lotter- und des Lutterbrunnen am Hainberge aufgenommen hat, oberhalb der Stadt im Paradies in die Saale.

Die Mühlen der Leutra

Marktmühle Sie stand an der nördlichen Ecke des Marktes und wurde von der Leutra angetrieben. Im Jahre 1336 gehörte sie durch Heinrich von Budenitz zur Hälfte dem Michaelis-Kloster. Der junge Mühlenbesitzer Güther konnte mit guten Geräten besonders feines Mehl mahlen. Sie stand an der Stelle, wo heute das Stadtmuseum "Göhre" steht.
Jüdenmühle Die Jüdenmühle - auch Eichelmühle?, Franken- oder Mitzenmühle genannt - ist es, die in der Jüdengasse stand, welche später die Westseite des Eichplatzes bildet. In Urkunden wird die Mühle in den Jahren 1369 und 1389 erwähnt. Die Leutra diente ihr als Antrieb - im Stadtkern gelegen.
Ziegelmühle stand an der alten Leutra am Ziegeltor und wurde früher nach einem früheren Besitzer auch Gerhardsmühle genannnt.
Plumpmühle Keine Infos
Ölmühle Sie besaß einen Gasthof zum wilden Mann.
Neumühle auch Rhanis- oder Schrötersmühle nach ihrem früheren Erbauer und Besitzer genannt.
Weidigsmühle Sie wurde auch Kexmühle genannt, bis 1913.
Kupfermühle ist in der sogenannten Thüringer Sinfflut am 29. Mai 1613 untergegangen.
Paraschkenmühle Der Mühlenbetrieb wurde in den neunziger Jahren 19. Jahrhunderts eingestellt. Die Paraschkenmühle war bis zum 1. Weltkrieg dann Gaststätte.
Schleifmühle ist in der sogenannten Thüringer Sinfflut am 29. Mai 1613 untergegangen.
Papiermühle Die bekannteste ist wohl die Nasenmühle im Mühltal, die 1658 von Heinrich Schmidt aus Oberweimar zur Papiermühle umgebaut wurde - wenige Meter nach dem Ortseingangsschild von Jena auf der linken Seite. Heute ist die Papiermühle ein bekanntes Hotel mit historischem Braugasthof in gemütlicher Ambiente.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden an der Leutra elf Mühlen betrieben. Bis 1890 sind noch acht von ihnen in Betrieb. Als die Stadt an der Quelle Trinkwasser ableitet, mußten die Mühlen ihren Dienst einstellen. Einige von ihnen existierten aber als Gastwirtschaft weiter - was ich als sehr romantisch empfinde.

Einige Erläuterungen
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand im Cospedaer Grund für kurze Zeit die Papiermühle zweimal da. Einmal das neu errichtete Gebäude und das alte, welches 1903 abgerissen wurde.

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