Jena, kreisfreie Stadt im Saaletal (Thüringen)
Jena - Gedichte & Poesie - Lyrik über Jena


Lyrik über Jena

  Auf die Universität Jena

Ist gleich Athen mit seinen Mauren,
Und Heiligthümern umgerissen;
So ist der Schade doch nicht zu betauren,
Dieweil an Thürings Flüssen,
Das Weisheitsreiche Jena liegt;
So des zerstöhrten Vorrecht kriegt.
Da ist der Kern der Lehrer und der Lehren:
Drum mag es wohl durch seinen Glanz und Schein,
Das andere Athen und Phöbens Tempel seyn.


Sidonia Hedwig Zäunemann



Vor Jena

Auf den Bergen die Burgen,
Im Thale die Saale,
Die Mädchen im Städtchen,
Einst Alles wie heut'!
Ihr werthen Gefährten,
Wo seid ihr zur Zeit mir,
Ihr lieben, geblieben?
Ach, alle zerstreut!

Die Einen, sie weinen,
Die Andern, sie wandern;
Die dritten noch mitten
Im Wechsel der Zeit;
Auch viele am Ziele,
Zu den Todten entboten,
Verdorben, gestorben,
In Lust oder Leid.

Ich alleine, der Eine,
Schau' wieder hernieder
Zur Saale im Thale,
Doch traurig und stumm;
Eine Linde im Winde
Die wiegt sich und biegt sich,
Rauscht schaurig und traurig.
Ich weiß wohl: warum!


Lebrecht Dreves, 1842



Die Lustigen von Weimar

Donnerstag nach Belvedere,
Freitag gehts nach Jena fort;
Denn das ist, bei meiner Ehre,
Doch ein allerliebster Ort!
Samstag ists, worauf wir zielen,
Sonntag rutscht man auf das Land;
Zwätzen, Burgau, Schneidemühlen
Sind uns alle wohlbekannt.

Montag reizet uns die Bühne;
Dienstag schleicht dann auch vorbei,
Doch er bringt zu stiller Sühne
Ein Rapuschchen frank und frei.
Mittwoch fehlt es nicht an Rührung,
Denn es gibt ein gutes Stück;
Donnerstag lenkt die Verführung
Uns nach Belveder' zurück.

Und es schlingt ununterbrochen
Immer sich der Freudenkreis
Durch die zweiundfunfzig Wochen,
Wenn mans recht zu führen weiß.
Spiel und Tanz, Gespräch, Theater,
Sie erfrischen unser Blut;
Laßt den Wienern ihren Prater;
Weimar, Jena, da ists gut!


Johann Wolfgang von Goethe



Erlkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? -
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht!
Den Erlenkönig mit Kron' und Schweif? -
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. -

«Du liebes Kind, komm geh' mit mir!
Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir,
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.»

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? -
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind,
In dürren Blättern säuselt der Wind. -

«Willst feiner Knabe du mit mir geh'n?
Meine Töchter sollen dich warten schön,
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.»

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düsteren Ort? -
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh' es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. -

«Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt,
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!»
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an,
Erlkönig hat mir ein Leids getan. -

Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not,
In seinen Armen das Kind war tot.


Johann Wolfgang von Goethe
Noch'n Gedicht.

Dies sagte einst Heinz Erhardt
(1909 - 1979)

Nochmals eins von Johann Wolfgang von Goethe

Weite Welt und breites Leben,
Lange Jahre reden Streben,
Stets geforscht und stets gegründet
Nie geschlossen, oft gegründet,
Ältestes bewahrt mit Treue
Freundlich aufgefaßtes Neue,
Heitern Sinn und reine Zwecke:
Nun, man kommt wohl eine Strecke.


Geschrieben von Goethe im Inspektorhaus des Botanischen Gartens.
Jena zu Pfingsten 1817



Faselei

Aus den heidnischen Studentenjahren in Jena

Vieles gaben die Götter mir,
Und ich bete die sieben
Bitten ohne Entbehren,
Aber eines blieb mir versagt,
Eines nur zähmt mir
Mächtig den Übermut,
Bannt mich zur Erde
Nieder, den armen
Sterblichen Sohn.

Wenn ich die hellen,
Emsigen Tage,
Suchend durchirrte
Wenn ich die dunklen
Einsamen Nächte
Sinnend durchwachte,
Bleibe ich suchend,
Bleibe ich sinnend,
Nimmer ach finde ich
Nimmer ersinne ich
Wie ich erlangen mag
Die achte Bitte.

Bilden wohl kann ich manches,
Lieder dichten und singen,
Gerne auch leiht mir
Und meinem Werke
Die empfänglichen Sinne
Mein Liebchen.

Aber Ruhe, Ruhe
Wo wohnt sie
Ach Ruhe, die nimmer
Sich mir gesellet,
Ewiges Wühlen
Niederdringen mit Schwerkraft
Zur tiefen göttlichen Mitte,
Die alles festhält
An des Herzens
Pochender Werkstatt,
Ewiges Ringen,
Aufstreben mit Lichtes Leichte
Zur hohen göttlichen Oberfläche,
Die alles anschaut
Mit des Auges
Widerstrahlendem Spiegel.
Nach euch beiden unzertrennliche
Tiefe und Höhe
Nach dir Natur
Ringt zur Vollendung
Das arme Erdenkind.

Sechs sind Tage
Die Gott gebildet hat,
An seinem Wohnhaus,
Der verewigenden, ewigen
Wunderbaren Natur
Und an dem siebenten
Tage da ruhte er
Sieben sind Bitten
Die ich geflehet habe
In sieben Tagen,
An seines Hauses
Herrlicher Schwelle
Und alle sieben
Sind mir gewähret.
Aber die achte
Kann er nicht hören
Denn er ruhet

Herr so zürne nicht,
Daß ich Dir gleichen will
Daß ich mir bilden will
Wie du ein Wohnhaus
Der verewigenden, ewigen
Wunderbaren Kunst,
Und an dem achten
Tage dann ruhen.


Clemens Brentano




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