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Sie sind hier: Geschichte
Die Gebäude des Collegium Jenense oder der Salana |
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Das Areal des Collegium Jenensis war einst ein Paulinerkloster, ein Mönchkloster, des
Dominikaner- und Prediger-Ordens, das dem Apostel Paulus geweiht war.
Nur wenige Details sind bekannt, da fast keine Urkunden erhalten blieben. So sollen im Jahre 1286
die Brüder Albert und Hermann von Lobdeburg das Kloster gestiftet haben, andere Quellen hingegen
vertreten die Auffassung das sie es nur erneuerten. Es besaß einige Weinberge mit dessen Ertrag
Weinhandel betrieben wurde. Aus dem in jener Zeit in Jena befindlichen Nonnenkloster sind wie
Rechnungen belegen Torten und Kuchen empfangen wurden, wobei die Überbringer Trinkgelder
empfingen.
Johannes Oerter - ein Prior zwischen 1495 und 1508 - ließ im Jahre 1506 nach Jena und in das
Kloster eine Wasserleitung legen. 1524 zählte das Paulinerkloster noch 30 Mönche, von
denen aber im Folgejahr als der Bauernaufruhr begann 25 fortgingen.
Im gleichen Jahr berechnete der Amtsschösser1 Sebastian Wölner auf fürstlichen
Befehl das Inventar der Klöster und Kirchen. 400 fl2 hatten die Paulinermönche
für vier Jahre an den Rat zur Aufbewahrung hinterlegt, wofür sie 16 fl pro Jahr Zinsen haben
wollten. 180 fl dieses Geldes sind beim Aufruhr auf das Rathaus verloren gegangen, der Rest als
Söldner ins Heer geschickt worden.
Einer der 5 Mönche die im Kloster zurückgeblieben waren, war Caspar Busch, der im Jahre
1540 als Pfarrer nach Isserstedt ging, ein anderer Dr. Petrus N. starb am 4. März 1545 und die
letzten drei erhielten eine Abfindung für ein Jahr.
Die Gebäude des Paulinerklosters wurden nach Um- und Neubauten von der Salana wie folgt
genutzt:
Collegiumkirche: Die Collegienkirche hat ein ähnliches Gewölbe wie die
Stadtkirche, besaß aber keine Gemeinde, weshalb kein Actus ministeriales3
verrichtet wurde. Das leere Kirchengebäude ließ der Professor für Theologie Dr.
Georg Mylius (= dtsch. Müller) 1594 soweit instand setzen, das Gottesdienste und Promotionen
vorgenommen werden konnten. Fortan wurden alle akademischen Handlungen von der Hauptkirche
- Stadtkirche - hierher verlegt. Abermals bedurfte die Kirche einer Reparatur, weshalb von 1673 bis
1683 alle akademischen Handlungen in der Stadtkirche abgehalten werden mußten. 1782 wurde die
Collegienkirche für Gottesdienste umgebaut, bei denen die Mitglieder des homiletischen Seminariums
die Predigten in der Zeit zwischen 11 und 12 Uhr hielten.
Bibliotheksgebäude: siehe Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek =
ThULB
Das Akademische Senatszimmer - ebenso als Konsistorienstube bezeichnet - wurde deshalb so
genannt, weil seit dem 7. Mai 1569 die gemeinsamen Sitzungen des Senats der Ernestinischen Kirchen und des
Konsistoriums hier stattfanden. Das Konsistorium löste man aber 1597 auf - ebenso die in Altenburg und
Weimar - nachdem Coburg ein eigenes Konsistorium eingerichtet hatte. Neben diesem Zimmer befand sich noch
ein kleineres, indem sich während der Senatssitzungen der Pedelle - der Diener, Bote oder Hausmeister
- aufhielt, der als Hilfskraft bei öffentlichen Sitzungen organisatorische Aufgaben verrichtete. Zudem
weilten in diesem Raum noch Studenten, die hier ihre Karzerstrafe absaßen.
Das Convictorium - das Internat, welches mit der Nordseite zur Collegiengasse stand - 1597
größtenteils neu errichtet wurde, hatte einen Speisesaal für 150 Personen, ebenso eine
Küche und die Wohnung des Convictökonomen. Mit der Auflösung des Convictoriums wurde der
Speisesaal in sogenannte Freitische verwandelt, die Räume im Erdgeschoß teils zu einem Auditorio
- Konzerthalle - und für weitere Zwecke verwendet, hingegen der erste Stock als akademische Aula und als
physikalisches Kabinet mit Hörsaal Nutzung fand. Im Westen stand das akademische Brauhaus.
Das Gebäude links neben der Einfahrt in den Collegienhof war die ehemalige Inspectorwohnung:,
die einen achteckigen hölzernen Turm besaß, den bereits Professor Weigel im Herbst 1656
erhöhen ließ und sich zwischen 1696 und 1716 Professor Hamburger als Sternwarte einrichtete.
Der kleine ehemalige medzinische Garten - einst Hof- und Krautgarten des Convictökonomen,
ließ Professor Werner Rolfink nach Einwilligung aus Weimar vom 11. September 1629 als Botanikgarten
umwandelt, wozu er jedoch noch Bauholz für die Gärtnerwohnung und das Gewächshaus
benötigte. Fast zwei Jahre später - am 11. Juli 1631 - wurde das Areal mit einer Rede von Prof.
Rolfink eingeweiht, und stand fortan für die Nutzung im Botanikstudium, besonders für den
medizinisch-biologischen Unterricht, zur Verfügung. Als im Jahre 1833 der Großherzogliche
botanische Garten für alle hiesigen Lehrer der Universität nutzbar geworden war, war das kleine
Gärtchen im Collegium überflüssig.
Das anatomische Theater, welches sich im Westen des botanischen Gärtchens anschloß,
diente schon in damaliger Zeit zum Sezieren menschlicher Leichname für das Studium. Prof. Kaltschmidt
hatte das Gebäude größtenteils aus eigenen finanziellen Mitteln auf einen alten runden Turm
der Stadtmauer - Anatomieturm - auf das von allen Seiten ausreichend Licht einfiel, errichten lassen. In nur
dreimonatiger Bauzeit - vom 28. Mai 1750 bis 26. August des selben Jahres - konnte die Einweihung begannen
werden.
Welchen Instituten und anderen Institutionen das Areal des Collegiums heute dient, ist mir nicht gesichert
bekannt. Dazu läuft derzeit Recherche.
1 Ein Amtsschösser ist derjenige, welcher die
Einkünfte eines Amtes berechnet, und entweder unter
dem Amtmanne steht, oder in kleinen Ämtern zugleich die Stelle eines Amtmannes
vertritt.
2 fl = die Abkürzung für Gulden.
3 Es werden keine Ehe-Angelegenheiten, Hochzeiten, Kindtaufen, Begräbnisse ... vorgenommen. |
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Buchtipp
Und hier ein Buchtipp zum Thema
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