Jena, kreisfreie Stadt im Saaletal (Thüringen)
Abriss der Entstehung der Erde mit Geologie von Thüringen


Geologie von Jena und der näheren Umgebung

Kurzer Abriss der Entstehung unserer Erde

Vor rund 250 Millionen Jahren waren alle heutigen Kontinente eine riesige Landmasse - der Urkontinent Pangäa. Vor etwa 170 bis 200 Millionen Jahren begann dieses zusammenhängende Festland auseinanderzubrechen und die einzelnen Teile bewegten sich voneinander weg in die heutigen Positionen.

Circa 20 Millionen Jahre später teilte sich das südliche Bruchstück und es entstand das atlantische Becken mit den Kontinenten Südamerika im Westen und Afrika im Osten. Die Trennung der Erdteile erfolgte lange bevor der erste Mensch sich entwickelte, weshalb der amerikanische Doppelkontinent von der Entwicklung der Hominide isoliert war.

Die flacheren Randebenen der Platten wurden überspült, während die höheren Randlagen als kontinentale Inseln aus dem Wasser ragen - wie etwa die britischen Inseln und Neufundland.

Die meisten Inseln sind neuerem Ursprungs und entstanden und entstehen auch heute noch durch unterseeische Vulkanausbrüche, die durch die Bewegung der Kontinentalplatten ausgelöst werden. Während der Gleitbewegung der Platten stoßen sie immer wieder aneinander, so dass die Plattenränder Zonen geologischer Unruhe sind. Erdbeben und Vulkanausbrüche sind die Folge, aber auch die Auffaltung neuer Gebirge.


Geologie im mittleren Saaletal speziell rund um Jena

Regionalgeologisch gesehen, liegt die Region Jena und Umgebung im mittleren Saaletal und auf das Thüringer Becken bezogen im östlichen Teil. Vorwiegend bestehen die Höhenrücken um Jena aus Gesteinen der Trias-Periode des Mesozoikums, dem ätesten Abschnitt im Erdmittelalter. Die Abteilung des sogenannten Germanischen Triases gliedert sich wiederum in drei Teile der Festgesteinsschichten - auch Sedimente genannt. Die erste Schicht ist die des Buntsandsteines, die in 8 Millionen Jahren entstand, die 2. die des Muschelkalkes, deren Entstehung sich über einen Zeitraum von 8 Millionen Jahren entwickelte und die des Keupers, der in 24 Miollionen Jahren aufgebaut wurde. Das Territorium rund um Jena erhielt seine Gestalt während der Eiszeit, als Geröll beim Abschmelzen des Inlandeises transportiert wurde und entlang der Flüsse eine intensive Verwitterung einsetzte.

Diese Sedimente in Thüringen entstanden in Folge ständigem Wechsels zwischen Überflutung und Austrocknung eines flachen und küstennahen bis 200 Meter unter dem Meeresspiegel liegenden Meeresbodens - dem sogenannten Epikontinentalmeer und durch Flussablagerungen. Die auf diese Weise gebildeten Gesteine bestehen aus Sand, Ton, Dolomit, Kalk, Mergel und Gips.

Wie oben beschrieben, bewegten sich die Kontinentalplatten auseinander. Deshalb lag am Anfang des Trias Thüringen noch am Äquator. Im Übergang eines trockenen, heißen Klimas zu einem feucht-tropischen Klimas entstanden die Gesteinsformationen. Weder Berge noch Wälder waren vorhanden, nur wenige Pflanzen - Nacktsamer und Kalkalgen - existierten bereits. Flüsse transportierten nach heftigen Regengüssen Geröll und Schlamm in ein flaches Becken, dem sogenannten Germanischen Becken, welches in Nordwestrichtung 1500 Kilometer lang war und 1000 Kilometer breit in Südostrichtung verlief.

In der Region von Jena begann die Trias-Periode mit dem Mittleren Buntsandstein, der aus rotbraunen, teils auch hellgrauen, fein bis grobkörnigen Gestein besteht, welches bandartig in horizontaler Lage verläuft und von rotbraunen bis graugrünen Tonsteinlagen durchsetzt ist. An der Kahlaischen Straße direkt am Bahnübergang befindet sich der bekannteste Aufschluss und an der Autobahnbrücke in Göschwitz. Zwischen Mittleren Buntsandstein und sogenannten Chirotheriensandstein befindet sich eine 20 Zentimeter dicke Tonsteineinlage, welche man an der Rabenschüssel gut sehen kann. Der Chirotheriensandstein erhielt durch karbonatische Einlagerungen sein hellgraues Aussehen. An einigen Aufschlüssen sind beispielsweise braune, schwarze, rote oder gelbe Flecken und Streifen zu erkennen, die durch andere Mineraleinlagerungen hervorgerufen werden. Karneol - eine Chalcedon-Varietät des Quarzes - verursacht die gelben bis roten Einlagerungen. In Lobeda-Ost entdeckte man im Sandstein Abdrücke des fossilen Reptils Chirotherium barthi, die dem Sandstein den Namen gaben als auch die Gipsvarietät Marienglas.

Der Übergang des Chirotheriensandsteins zum etwa 120 Meter mächtigen dreischichtigen Oberen Buntsandstein, den man ebenso als Röt bezeichnet - einen immer fossilfreier Gips, ist an den Teufelslöchern besonders gut sichtbar. Die untere Schicht des Buntsandsteins bildet die sogenannte Salinarrötfolge - auch als Unterer Röt bekannt, besteht hier aus wechselnden Tonstein- und Fasergipslagen. In den aus weißlicher bis gelber Farbe zusammengesetzten grobkristallinen Gipsspaten haben sich dunkle Einzelkristalle - dem sogenannten Jenaer Alabaster - angesiedelt. Große Teile der Gipse lösten sich, so dass Hohlräume entstanden. Neben den Aufschlüssen an den Teufelslöchern sind am Steinborn und am Erlkönig weitere zu bewundern.

Dem Unteren Röt folgt der Mittlere Röt, der sogenannte Pelitröt, der als graugrüner, seltener auch als roter bis violetter Tonstein auftritt. Dolomit-, Gips-, Karbonat- und Sandsteinschichten - auch Bänke genannt - unterbrechen den Pelitröt. Ammonite, Muscheln und Schnecken kommen sehr Häufig als Fossilien in den Dolomitschichten vor. Noch zu nennen, sind die im Sauriersandstein enthaltenen Nothosaurusknochen und die Bank des Rhizocoralliums, welche in der ehemaligen Tongrube von Göschwitz nördlich der Wöllnitzer Kirche zu finden sind. Dem Mittleren Röt folgt der Obere Röt - die sogenannte Myophorienfolge. Den oberen Abschluss des Oberen Buntsandstein ist bei der Gaststätte Wilhelmshöhe zu beobachten. Typisches Mineral ist das graublaue Alumosilikat Glaukonit, der bei der Zersetzung von Algen im flachen Wasser entsteht und hier in Bänken vorliegt und die fossile Muschel Myophoria vulgaris, nach ihr der Obere Röt seinen Namen erhielt. Bei «Ulmers Ruh» - auf dem östlichen Fuchsturm - ist der Übergang zum Unteren Muschelkalk durch die strohgelben Kalke besonders beeindruckend.

Der beispielsweise am Jenzig aufgeschlossene Untere Muschelkalk - die sogenannte Jenaer Formation - ist innerhalb von 3 Millionen Jahren entstanden. Auf dem Kernbergplateau liegen die Schichtenfolgen der terrestrischen Ablagerungen des Buntsandsteins und die durch Verdunstung von wässrigen Lösungen entstandenen mineralischen Sedimente, die sogenannten Evaporite, des Mittleren Muschelkalkes aufgeschlossen - die gemeinsam den Untere Muschelkalk bilden. Das bemerkenswerteste Merkmal der sogenannten Jenaer Formation sind die Wellenkalkbänke aus graugrüngelblichem Kalk, der aus drei Felsformationen einer Oolith-, einer Terebratel- und einer Schaumkalkbank gebildet wurde. Aus einem hellen, schaumigen oolithischen Kalkstein beginnt der Untere Muschelkalk dem eine 40 Meter dicke Wellenkalkbank folgt, der sich wiederum eine Oolithbank - einem Sedimentgestein, dass aus kleineren, grauen Mineralkugeln besteht - anschließt, die sehr fossilienreich ist. Ganze Platten von versteinerten Muscheln, Schneckenschalen, Seelilien und Stielgliedern sind am Jenzig und in den Kernbergen auffindbar. Folgender Wellenkalk trennt eine Oolithbank von einer darüber liegenden Terebratelbank, einem festen kristallinen Kalk, in der Schalen eines muschelähnlichen Meerestier - dem Brachiopoden Terebratula vulgaris vorkommen. Ebenso können aber auch Zähne eines seehundgroßen Sauriers - dem Placodos gigas - und kleine Haifischzähne zu finden sein.

Einer fossilreichen Schaumkalkbank - die aus verwitterten Oolithen besteht - geht eine weitere Wellenkalkbank voraus. Der Schaumkalk ist die oberste Bank der Jena-Formation, dem sich der Mittlere Muschelkalk, dessen Hauptmerkmal die Wechsellagerung von Dolomit und mergeligen Wellenkalken ist, anschloss. Da sich dieses Gestein leicht auflöst, sind nur noch auf dem Johannisberg und auf dem Kernbergplateau Reste von ihm vorhanden, ebenso vom Plattenberg bei Porstendorf, Vollradisroda bis zu den oberen Hangpartien im Leutratal.

Der Mittlere Trias wird bei Closewitz-Cospeda-Rödigen durch den Oberen Muschelkalk abgeschlossen. Interessant ist auch eine drei Meter dicke Trochitenkalkschicht, dessen Name von der Seelilie Encrinius liliformis herrührt. Im Gebiet kann man mit ein bißchen Glück fossile Schalen der Lima striata-Muschel ausmachen. Ceratitenkalk - der Name ist vom gleichnamigen fossilen Ammoniten abgeleitet - ist am Windknollen aufgeschlossen. Fossile Relikte eines fliegenden Fisches fand man nahe der Gemeinde Isserstedt.

Die Gesteine des Keupers gehören den letzten und jüngsten Abschnitt des Trias an, bildeten sich unter ähnlichen klimatischen Bedingungen wie im Buntsandstein herrschten und zeigen den Rückzug des Meeres. Reste von Gesteinen des Paläogens - der früher als Tertiär bezeichnet wurde - und des Känozoikums - Erdneuzeit zwischen 65 bis 2,6 Millionen Jahre - haben die Gesteine des Trias vollkommen überdeckt. Nach der Ablagerung der Trias-Gesteine hoben Kräfte des Erdinnern sie an und teilten sie gleichzeitig in verschiedene große Schollen aus denen sich eine Hochebene herausbildete. Diese Hochebene bestand aus Fluss- und Sumpflandschaften, in die Geröll, Sand und Kiese transportiert wurden.
Wenn das Flusssystem sich bis zu einer bestimmten Tiefe in das Gestein eingeschnitten hat, beginnt es sich seitwärts einzugraben. Weitere Ablagerungen aus Geröll und Kiesen folgen, die eine breite Talaue entstehen lassen. Erneut wird das Terrain angehoben und der beschriebene Prozeß beginnt von neuem. Das Saaletal entsteht zu dieser Zeit. Anhand von Ablagerungen von weiß-gelblicher Kiese, Quarze, Quarzite, Kieselschiefer und Porphyre in Einsenkungen im Muschelkalk konnte das oberoligozäne bis miozäne Alter dieser Vorkommen auf einen Zeitpunkt vor etwa 22 Millionen Jahre festgelegt werden. Das Flusssystem verlief in Süd-Nord-Richtung und transportierte die Gerölle, von denen Überreste heute noch in der Wöllmisse zu finden sind.

Im Eiszeitalter - also im Pleistozän, vor 2,6 Millionen bis 115.000 Jahre - lagerten sich über mehrere Abschnitte hinweg wesentlich jüngere aus Sanden, Kiesen und Lössen bestehende Gesteine ab. Die großen Eismassen hatten sie aus Norden auf ihrem Weg nach Süden mitgebracht. Diese sogenannten Lockergesteine dieser eiszeitlichen Ablagerungen sind nahe der Saaleaue sichtbar. Wie weit südlich einst die Inlandeisgrenze verlief, konnte anhand der vom Untergrund gelösten und transportierten nördlichen Gesteine ermittelt werden - nämlich bis auf einer Linie der Autobahn A4.

Holozäne Süßwasserkalke - Travertine - sind die jüngsten Ablagerungen rund um Jena. Vor 115.000 bis in heutige Zeit bild(et)en sie sich, deren Ausgangssubstrat Oberer Buntsandstein und Unterer Muschelkalk war und noch ist.

Gesteine aus der Zeit des Trias sind flach gelagert und neigen ziemlich genau nach Nordwesten. Für Brüche, Faltungen und tektonische Prozesse gibt es nur wenige Beispiele, so die sogenannte Studentenrutsche im Kernberggebiet, die Teufelslöcher, die Coppanz-Lichtenhain-Störung der Sophienhöhe, die Kahla-Leuchtenburg-Störung sowie die geologische Aufwölbung des Hausbergs am Fuchsturm. Die Gipskarstbildungen, so an den Teufelslöchern und an der Diebeskrippe, entstanden als Folge von Quellaustritt.

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