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Die auf der Einführungsseite des Themas «Fauna & Flora»
aufgeführten klimatischen und ökologischen Besonderheiten treffen auch auf die Orchideen
zu. Die in Jena anzutreffenden Ophrys-Arten und auch die Bocksriemenzunge
(Himantoglossum hircinum) gelten als ausgesprochen mediterrane - zum Mittelmeer gehörige -
Vertreter, deren nördliche Ausbreitungsgrenze im Saaletal liegt.
Oft liegen zwischen Flachmooren und Trockenrasen nur 50 bis 100 Meter Entfernung und die
breite geologische Vielfalt bieten optimale Voraussetzungen für Pflanzenarten aus anderen
Teilen Mittel- und Nordeuropas.
Einmalig für Jena und die nähere Umgebung ist die Gebietsflora, die aus mehreren
Florenbereichen besteht. Dies führte dazu, dass sich auch mehrere Orchideengattungen
ansiedeln konnten. So waren von den 50 Orchideenarten, die in der DDR verbreitet waren,
ehemals 44 in Jena und Umgebung anzutreffen. Heute gibt es noch ca. 30 Arten im
Gebiet.
Die ausgestorbenen Arten sind in der rechten Spalte aufgeführt. Einige Arten gelten als
stark gefährdet, bei anderen Arten konnte ein eindeutiger Nachweis, ob sie noch existieren,
nicht erbracht werden.
Die verschiedenen Orchideengattungen benötigten verständlicherweise unterschiedliche
Anforderungen an die klimatischen und ökologischen Verhältnisse.
Laubwälder bedecken noch weite Flächen Thüringens. Die artenarmen Buchenwälder
auf den schattigen Nordseiten der Berge im Saaletal und auf Plateaulagen, ebenso in günstigeren
Lagen, wo Eichen-Hainbuchen- und Eschen-Ahorn-Wälder dominieren, sind ein ideales Refugium
für zahlreiche Orchideenarten. So findet man hier die chlorophylllose mykotrophe - Pflanze,
die von der Lebensgemeinschaft mit Mykorrhizapilzen abhängig sind - Neottia nidus-avis
(Vogelnestwurz) und die Corallorhiza trifida (Korallenwurz) mit zahlreichen Exemplaren.
Auch die durch netzartige Blattadern versehene Goodyera Repens (Netzblatt-Orchidee),
das Bleiche Waldvöglein (Cephalantha damasonium) und einige Sitter-Arten (Epipactis
hellborine, E. leptochila, E. muelleri, E. microphylla, E. purpurata) sind charakteristische
Orchideenarten dieses Biotops - dem schattigen Buchenwald.
Ebenso trifft man den Korallenwurz (Corallorhiza trifida) - eine Scharotzerpflanze - in
leichten Nadelholzforsten mit Waldkiefern (Pinus sylvestris). Ihre winzigen fahlgelben
Blütenstände kann man im Frühling bewundern.
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Der Bienenragwurz, der meherere Jahre mit der Blüte aussetzt, besitzt
im Vergleich mit dem Fliegenragwurz größere Blüten. Die Tepalen sind
grünlich-rosaweiß gefärbt und besitzen eine bräunlich-gelbe, dreilappige,
seitlich behaarte Lippe. Sie ähnelt sehr einem Bienenkörper, deshalb der
deutsche Name.
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Der Fliegenragwurz blüht Ende April bis Anfang Mai. Er hat schmutzig-violette,
mit blauen Malen versehene und antennenartig umgebildete paarige Kronenblätter - an
Fliegen erinnern.
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Der Frauenschuh besitzt pantoffelförmige, braun-gelbe Blüten.
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Die Knabenkräuter gelten als typisch für europäische Kalkgebiete, die im Juni
blühen.
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Der Kriechende Netzwurz bevorzugt reine Nadelwaldbestände und blüht Ende Juni bis
August.
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Das Rote Waldvöglein ist eine Orchideenkostbarkeit, die kalkhaltige Standorte
bevorzugt und eine Höhe von 70 cm erreicht.
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Der Große Händelwurz blüht etwa Ende Mai.
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Die Waldhyazinthen sind duftende Orchideen. | |
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E I N H E I M I S C H E O R C H I D E E N ,
ihre Ansprüche und Blütezeit |
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LATEINISCHE BEZEICHNUNG
DEUTSCHE BEZEICHNUNG |
ALLGEMEINES, ANSPRÜCHE BLÜTEZEIT |
| 1. |
Cephalanthera damasonium (alba) Bleiches oder Weißes Waldvöglein |
Mai, Juni |
| 2. |
Cephalanthera longifolia Langblättriges Waldvöglein |
Mai, Juni |
| 3. |
Cephalanthera rubra Rotes Waldvöglein |
Orchidee des Jahres 2000 Mai, Juni, Juli |
| 4. |
Corallorhiza trifida Korallenwurz |
Mai |
| 5. |
Cypripedium calceolus Frauenschuh |
Orchidee des Jahres 1996 Mai, Juni |
| 6. |
Dactylorhiza fuchsii Fuchs' Kuckucksblume |
Juni, Juli |
| 7. |
Dactylorhiza majalis Breitblättrige Kuckucksblume |
Orchidee des Jahres 1989 Mai, Juni |
| 8. |
Epipactis atrorubens Blutroter (Braun-) Sitters |
Juni, Juli |
| 9. |
Epipactis helleborine Breitblättriger Sitters |
Juli, August |
| 10. |
Epipactis leptochila Schmallippiger Sitters |
Juli, August - vor Breitblättriger Stendelwurz |
| 11. |
Epipactis microphylla Kleinblättriger Sitters |
Juni, Juli |
| 12. |
Epipactis muelleri Müllers Sitters+m |
Juni, Juli |
| 13. |
Epipactis palustris Sumpf-Sitters |
Juni, Juli |
| 14. |
Epipactis purpurata Violetter Sitters |
August, September |
| 15. |
Goodyera repens Kriechende Nestblatt (-wurz) |
Juli, August |
| 16. |
Gymnadenia conopsea Große Händelwurz |
Juni, Juli |
| 17. |
Himantoglossum hircinum Bocks-Riemenzunge |
Orchidee des Jahres 1999 Mai, Juni |
| 18. |
Listera ovata Großes Zweiblatt |
Orchidee des Jahres 1992 Mai bis Juli |
| 19. |
Neottia nidus-avis Vogelnestwurz |
Orchidee des Jahres 2002 Mai, Juni |
| 20. |
Ophrys apifera Bienenragwurz |
Mai bis Juni |
| 21. |
Ophrys insectifera Fliegenragwurz |
April bis Mai |
| 22. |
Ophrys sphegodes Spinnenragwurz |
April bis Mai |
| 23. |
Orchis mascula Stattliches Knabenkraut |
Mai |
| 24. |
Orchis militaris Helm-Knabenkraut |
Orchidee des Jahres 1993 Mai, Juni |
| 25. |
Orchis pallens Bleiches oder Blasses Knabenkraut |
April, Mai - 1. Orchidee des Jahres |
| 26. |
Orchis purpurea Purpur-Knabenkraut |
Mai, Juni |
| 27. |
Orchis tridentata Dreizähniges Knabenkraut |
Mai, Juni |
| 28. |
Orchis ustulata Brand-Knabenkraut |
Orchidee des Jahres 2005 Mai, Juni |
| 29. |
Plantanthera bifolia Zweiblättrige Waldhyazinthe |
Juni, Juli später als P. chlorantha |
| 30. |
Plantanthera chlorantha Grünliche Waldhyazinthe |
Mai, Juni früher als P. bifolia | |
m = benannt nach dem Botaniker Hermann Müller (1829-1883)
s = Sitter werden auch als Stendelwurz bezeichnet
Alle genannten Arten stehen unter Naturschutz.
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Sobald sich die Wälder nach Süden oder zum Hang zu lichten, sind Mischwälder mit
Waldkiefern (Pinus sylvestris) und Schwarzkiefern (Pinus nigra) und Fichten (Picea
abies) anzutreffen. Hier sind dann die lichtliebenden Orchideen wie der Frauenschuh
(Cypripedium calceolus) vertreten. Mit dem Rückgang der ursprünglich, reinen
Buchenwälder und der Zunahme lichter Kiefernbestände und Mischwälder konnte
sich die Frauenschuh-Population erweitern.
Dies konnten übrigens die meisten Orchideen in den von Menschenhand beeinflußten
Landschaften.
Zu einer echten Rarität unter den Orchideen zählt das Bleiche Knabenkraut (Orchis
pallens), die als eine der ersten im Frühjahr blüht, und auf Muschelkalk und Keuper
gedeiht. Die etwas seltenere der beiden im Saaletal anzutreffenden Chephalantha-Arten
ist das Rote Waldvöglein (Chephalantha rubra), die eine Höhe von 70 Zentimeter
erreicht.
Wenn sich der Wald noch mehr lichtet oder sogar in Karstwald oder lockeres Buschwerk -
welches mit Trockenrasen durchsetzt ist - übergeht, dann nimmt die Vielfalt der
Orchideenarten noch mehr zu.
Inmitten von Blaugraspolstern (Sesleria coerulea) ist der Große Händelwurz zu finden.
Der Blutrote Sitter, die Ophrys-Arten, einige Knabenkräuter das
Große Zweiblatt und die Waldhyazinthen sind charakeristische Vertreter
dieses Refugiums. Die Grünliche Waldhyazinthe - als wärmeliebende Art - ist eher
im Muschelkalk zu entdecken, als die Zweiblättrige Waldhyazinthe, die einen schwach
sauren Bodem im Bundsandstein bevorzugt. Alle Arten sind noch häufig zu sehen.
Die Bocksriemenzunge - wegen seines bocksartigen Geruch so genannt - ist auf offenen
Rasenflächen heimisch. Ihr Auftreten ist vom Klima und der Ökologie abhängig.
Bedrohte Orchidenn sind vor allem die Arten, die auf feuchten Tal- und Auewiesen, Flachmooren
und zahlreichen Waldgebieten ihre Verbreitung haben. Land- und forstwirschaftliche Nutzung,
Aufforstung, Düngung der Wiesen, Straßenbau sind die Hauptursachen für den
Rückgang der heimischen Orchideenarten.
Besonders bedroht sind: Dactylorhiza latifolia, Epipactis palustris, Orchis morio,
Dactylorhiza traunsteineri, Herminium monorchis und Liparia loeselli.
Es muß schnellstens mit Naturdenkmälern, Flächen- und Landschaftsschutzgebieten reagiert
werden, um die einmalige Landschaft rund um Jena zu schützen. Zudem muß das Umweltbewußtsein
jedes Bürgers darauf gerichtet sein, die Besonderheiten der Jenaer Fauna und Flora zu
erhalten. | |
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| Systematik: Orchideen |
Über- abteilung: |
Samen- pflanzen (Sperma- tophyta) |
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| Abteilung: |
Bedeckt- samer (Magno- liophyta) |
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| Klasse: |
Einkeim- blättrige (Liliopsida) |
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Unter- klasse: |
Lilienähnliche (Liliidae) |
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| Ordnung: |
Spargelartige (Asparagales) |
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| Familie: |
Orchideen |
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Wissenschaftlicher Name
Orchidaceae | |
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| Folgende Arten gelten als erloschen: |
1. Anacamptis
pyramidalis
Spitzorchis
2. Cephalanthera
incarnata
Steifblättriges
Knabenkraut
3. Cephalanthera
longifolia
Langblättriges
Waldvöglein
4. Coeloglossum
viride
Grüne Hohlzunge
5. Dactylorhiza
sambucina
Holunder-
knabenkraut
6. Dactylorhiza
traunsteineri
Traunsteiner
Knabenkraut
7. Epipogium
aphyllum
Widerbart
8. Gymnadenia
odoratissima
Dufthändelwurz
9. Leucorchis
albida
Weißzunge
10. Liparis
loeselii
Sumpfglanzorchis
11. Listera cordata
Kleines Zweiblatt
12. Ophrys fuciflora
Hummelrangwurz
13. Orchis
coriophora
Wanzenknabenkraut
14. Spiranthes
spiralis
Herbstdrehwurz | |
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Buchtipp
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